Grundschule im Werksviertel, München

Der Schulneubau liegt in der Umgebung des industriell geprägten Bereichs des Ostbahnhofs mit seinen großvolumigen Versorgungstypologien. Er reagiert auf diesen Kontext mit einer Interpretation von Massigkeit und deren Auflösung. Gleichzeitig vermittelt er durch seine vertikale und horizontale Staffelung zwischen öffentlichen, halböffentlichen und schulinternen Bereichen.

AuftraggeberLandeshaupstadt MünchenBaujahr07/2020Baukostenk.A.

Bauaufgabe und Situationsentscheid

Die Bauaufgabe besteht in der Neuplanung einer 4-zügigen Grundschule mit integrierter 2-fach Sporthalle sowie deren kompakte Einordnung in das neu entstehende Werksviertel rund um den Ostbahnhof.

Die Gesamtanlage in unmittelbarer Nachbarschafft zum zukünftigen musikalischen Herzstück Münchens – dem Konzerthaus wird zum neuen Zentrum im wachsenden Stadtviertel.

Leitidee

Das Entwurfskonzept beruht auf dem Wunsch, eine Grundschule zu konzipieren, die sich in einem neu entstehenden Stadtviertel zu einem Ort des aktiven, emotionalen sowie sozialen Lernens für den Einzelnen oder für die Gruppe entwickelt und gleichzeitig einen Ort der Ruhe und Entspannung darstellt.

Die Grundschule als kompakte Struktur mit integrierter 2-fach Sporthalle nicht nur den aktuellen technischen, energetischen und ökologischen Standards zu entsprechend zu planen, sondern auch an zeitgemäße pädagogische Anforderungen anzupassen, stellt eine besondere Herausforderung dar. Als verbindendes Element im zukünftigen Werksviertel, in dem es die unterschiedlichsten architektonischen Typologien geben wird, soll die Grundschule als Schnittstelle zwischen internen und außerschulischen Nutzungen zu funktionieren. Ihr Erscheinungsbild soll in seiner Ausstrahlung als modern, kindgerecht und individuell wahrgenommen werden und parallel dem übergeordneten Ziel des „Werkscharakters“ entsprechen.

Einordnung in die städtebauliche Umgebung

Das Schulgrundstück befindet sich im Stadtteil Berg am Laim auf der östlichen Seite des Ostbahnhofs und liegt in unmittelbarer Nähe zum Kernstück des neu geplanten Stadtviertels. Ein zentraler Park ist das Herzstück des neuen Werksviertels, von dort aus vernetzen sich Erschließungsbänder mit der unmittelbaren Umgebung und dem umgebenden Schulquartier. Das Grundstück wird momentan teilweise als Parkplatz genutzt, der ungenutzte Teil besteht aus niedrig bewachsenen Flächen und Baumbestand.

Die 4-geschossige Grundschule liegt parallel zur Haager Straße und ordnet sich als ein zeitgemäß gestalteter Einzelbaukörper in die vorhandene sowie zukünftige städtebauliche Struktur ein. Ziel der Konzeption ist es, durch die Positionierung der Baumasse auf dem innerhalb des Schulquartiers vorgegebenen Baufeld die Gebäudekubatur der Schule mit integrierter Sporthalle als Schutz zur stark befahrenen Haager Straße gegenüber dem beruhigten Hofbereich mit Grünzonen, Freiflächen und Freisportanlagen zu verorten.

Es entsteht ein mit der Nachbarschaft im Einklang, in sich geschlossenes Schulquartier, das Freiräume unterschiedlicher Nutzung, Atmosphäre und Gestalt umfasst. Dazu gehören die großzügige, zurückgesetzte Eingangssituation an der Kreuzung Haager Straße – Kommunikationsband Nord als sicherer, barrierefreier Platz für das Kommen und Gehen der Schulkinder, der geschützte Baumbestand (Biotop) als Übergang zum gegliederten Pausenhof mit Aktionsbereichen, Allwetterplatz und Ruhezonen sowie die große Sportfreifläche mit angrenzender 50 Meter Laufbahn, welche sich im Süden zum Piusanger orientiert.

Eine wichtige Intention des Entwurfes ist es, eine möglichst Flächen-effiziente Organisation des Baukörpers der Schule und der angrenzenden Wohnbebauungen innerhalb der städtebaulichen Entwicklung zu erreichen. Des Weiteren ist die klare Strukturierung der Nutzungen unter Berücksichtigung des erforderlichen Flächenbedarfs von großer Bedeutung.

Typologie/Erschließung/Funktionalität

Ein zurückgesetzter Vorplatz an der Kreuzung zwischen Haager Straße und dem Kommunikationsband Nord bildet das Entree der Schule, insbesondere für die aus Richtung Berg am Laim und den angrenzenden Stadtvierteln kommenden Schüler/innen. Als Pendant entsteht ein zur Haager Straße ausgerichteter barrierefreier Zugang. Hier besteht die Möglichkeit, bei außerschulischen Nutzungen der integrierten 2-fach Sporthalle den Baukörper gesondert zu erschließen. Der ins Innere des Schulhofs orientierte Gebäudezu-und Ausgang wird als Pausen- bzw. Sportausgang ausschließlich von den Schulkindern und Lehrern verwendet.

Ein großzügiger Windfang- und Eingangsbereich leitet fließend vom Außen- in den Innenbereich über. Im Erdgeschoss sind Eingangsbereich, Speisesaal und Erweiterungsraum sowie Musiksaal als teilweise zusammenschaltbare Raumlandschaft inszeniert, die multifunktional nutzbar ist.

Für interne Veranstaltungen lassen sich mittels flexibler Wände unterschiedliche Raumgrößen und –zuschnitte herstellen. Zusätzlich verbindet eine zentrale Show-Treppe über ein Atrium vertikal die Raumlandschaft mit dem 1. Obergeschoss. Über das Oberlicht des Atriums gelangt Tageslicht in das Gebäudeinnere.

Die 4-geschossige, rechteckige Grundform des Entwurfs wird strukturiert durch denzentralen Gebäudekern, zwei Lichthöfe, sowie die integrierte 2-fach Sporthalle.

Gestaltung und Materialität der Fassaden

Die Fassade spiegelt die unterschiedlichen Gebäudezonen wieder. Das Erdgeschoss wird als massiv anmutendes Sockelgeschoss ausgeführt. Die Obergeschosse stehen im Kontrast dazu mit ihrer leichten, offenen Gestaltung. Als gebäudeumschließendes Element fallen die umlaufenden Fluchtbalkone ins Auge. Diese sind aus brandschutztechnischer Sicht erforderlich und strukturieren das Gebäude horizontal.

Die Fassadenansichten wurden in ihrer Materialität und Struktur aus der inneren Abhängigkeit entwickelt. Gleichzeitig wurde großen Wert darauf gelegt, über die Fassaden ein „werksähnlichen“ Charakter zu erzeugen. Die Erdgeschossfassade wird aus einem beigefarbenen, geschlämmten Ziegel als Verblendmauerwerk ausgeführt. Die Farbe der hinterlüfteten Faserzementfassade der Obergeschosse wird einen Ton aus der Farbfamilie des gewählten Ziegels erhalten. Die Nutzung als Grundschule sowie die wichtigen Zugänge werden mittels ausgewählten Farbfeldern als Kontrastflächen nach außen ablesbar gestaltet.

Die Kontrastflächen befinden sich am Haupteingang, an den Untersichten der Fluchtbalkone und an Bereichen der Fensteröffnungen. Diese Flächen werden kontrastierend zur imWesentlichen hellen, zurückhaltenden Fassade in einem metallischen Farbton realisiert. Zusätzlich wird ein Anti-Graffiti-Schutz aufgetragen. Die Fenster bilden ein regelmäßiges, ruhiges Raster und gliedern die Fassade. Belichtungstechnisch optimal werden die Fenster weitestgehend sturzfrei bis an die Geschossdecke geführt und nehmen nahezu die gesamten Raumbreiten ein. Damit lassen sich die erforderlichen Mindestbelichtungen für Klassenräume gut nachweisen. Die Fassaden der integrierten Sporthalle orientieren sich in ihrer Gesamtheit am Erscheinungsbild der Schule. Die Fensteröffnungen an der Nordfassade sind so beschichtet, dass die Sporthalle vor Einblicken geschützt ist und dennoch genügend Belichtung von dieser Fassadenseite aus gewährleistet werden kann. Das Erscheinungsbild wir auf der Südfassade fortgeführt, lässt jedoch Einblicke in die Halle aus dem angrenzenden Pausenhof zu.

Ähnliche Projekte

Campus Sachsenring Oberschule, Hohenstein-Ernstthal

Portfolio

In der Stadt Hohenstein-Ernstthal wurde, am traditionellen Schulstandort ein Ersatzneubau für die dort bereits bestehende 2-zügige Mittelschule errichtet. Zusätzlich wurde das teilsanierte historische Schulgebäude aus dem Jahr 1903 mit in die Planung eingebunden.
Ausgezeichnet mit dem BDA-Preis Sachsen 2016

Krippenhaus, Vaterstetten

Portfolio

Östlich von München, im oberbayrischen Landkreis Ebersberg, liegt die
Gemeinde Vaterstetten. Der zweigeschossige, fast quadratische Baukörper
der Kinderkrippe mit Passivhausniveau bietet Platz für fünf Kindergruppen
und rückt im Norden von der Verlängerung des Birkenwegs ab, um Platz für
den ruhenden Verkehr zu schaffen.